Früher war mein Leben ein einziger Kampf. Eigentlich ging es immer um Liebe und Leid. Erst um Liebe und Anerkennung beim eigenen Vater, verbunden mit viel Schmerz, Ablehnung und Leid und dann um verschiedene Jungs, später Manner verbunden mit noch mehr Schmerz und noch größerer Ablehnung. Daraus bestand meine kleine Welt, in der ich der Mittelpunkt, der Dreh- und Angelpunkt des Seins war.
Dann fand ich Ruhe, einen Mann, meinen Mann und da ich nicht fassen konnte, dass auch mir Liebe zugedacht war, wartete ich regelrecht auf den Tag des Schmerzes und der Ablehnung. Aber er kam nicht…
Nun habe ich Familie, Kinder, eine neue Generation ins Leben gesetzt und mein Mittelpunkt verschob sich und mit ihm die Angst der Ablehnung und das warten auf den Schmerz.
Alles was mich früher aus der Bahn warf, lange beschäftigte, mich nicht schlafen oder essen lies, weil ich mir das Hirn zermatterte ist nun nicht mehr wichtig. Andere Dinge haben Priorität und meine kleine Welt dreht sich um vieles, aber kaum noch um mich, nein so ist es nicht, natürlich dreht sie sich noch um mich, aber anders als vorher, langsamer, viel langsamer. Und ich dachte ich könne mich glücklich schätzen, weil das so ist, weil mich diese wer bin ich, was will ich, wer liebt mich und so weiter und so fort nicht mehr tangieren, zumindest nicht mehr in der schlaflos, nicht Essen können, Hirnzermattereiform. Aber so ist es nicht. Denn nun „struggle“ ich mit Dingen, die früher wenig Bedeutung hatten, Dinge über die ich mir kaum Gedanken gemacht habe, denn ich hatte mich damit abgefunden. Ich kämpfe mit der „Familie“ und meiner Erwartungshaltung ihr gegenüber. Und die wiegt Zentnerschwer.
Es fühlt sich daher komisch, fast schmerzhaft an, auf eine Familienfeier meiner Exfamilie eingeladen zu sein und zu sehen, dass ich Teil dieser Familie war, es aber definitiv nicht mehr bin (das beste Beispiel für den Spruch „Zeit heilt alle Wunden“ und ganz nebenbei eleminiert sie auch sämtliche Gefühle). Und das diese Familie es trotz aller Dramen geschafft hat, friedlich, vielleicht nur zum Schein, aber immerhin friedlich zusammenzukommen und auf Familie zu machen. Und es schmerzt mich, dass Bennets bester Freund gleich drei Opas hat, die sich um ihn bemühen ebenso wie drei Omas und ich meinem Großen ansehe wie sehr es ihm wehtut, dass seine Großeltern so wenig Zeit mit ihm verbringen. Es sticht bis tief in die Magengrube, dass ich keine engen Familienbande habe und es zerreißt mir das Herz, dass sich der kleine „aktive“ Teil unserer Familie mit der neuen Rollenverteilung so schwer tut. Gewiss muss man auch erst in die Rolle „Oma, Opa, Onkel, Tante usw.“ erst hineinwachsen und vielleicht erwarte ich zu viel (ja und die Entfernung spielt gewiss auch eine Rolle), aber wenn ich sehe, wie bemüht unsere Freunde um die Kinder sind, dann möchte ich am liebsten meine Familie packen und schütteln, wach schütteln, ihnen die Augen öffnen. Kinder sind so etwas Wunderbares und ich greife mal eben zu der Floskel „und sie geben einem so viel wieder“, denn so ist es! Egal wie anstrengend sie sind, ihr seid in der besten Position! Stopft sie mit Schokolade voll und schickt sie zum kotzen nach hause, aber bemüht euch um sie, egal in welcher Form.
So. Das musste mal raus, ich struggle dann mal weiter, mit anderen Dingen, nähen zum Beispiel!