Woanders muss man hart um einen Krippen/Kindergartenplatz kämpfen und ich hab nun die freie Entscheidung, was die Sache aber irgendwie nicht leichter macht.
Bevor hier nun irgendwer denkt, dass ich bei dem Luxus den ich habe einfach mal die Klappe halten sollte, dem will ich mitteilen, dass ich mir aufgrund der Auswahl Gedanken in eine ganz andere Richtung mache, aber ok, alles der Reihe nach, von Anfang sozusagen.
Wir müssen eine Entscheidung für treffen, also wir als Eltern, da das Kind diese Entscheidung weder erfassen noch begreifen und erst recht nicht selber entscheiden kann. Zuerst mussten wir uns entscheiden wie es mit der Krippensituation weiter gehen soll. Also die Krippe zieht um, soll heißen die Betreuer in eine neue Einrichtung. Die Eltern durften nun entscheiden, gleiche Einrichtung, neue Betreuer oder neue Einrichtung alte Betreuer. Diese Entscheidung war leicht, denn uns war es wichtig, gleiche Betreuer und das Bennet mit seinem besten Freund Max zusammen sein kann. Nun bekam ich gestern einen Anruf, dass es wie folgt aussieht.
Da Bennet und Max natürlich auch zusammen in den Kindergarten kommen sollen und Max’s Schwester und Lola zusammen in die Krippe, wäre es besser, die beiden blieben in der alten Einrichtung mit neuen Betreuern und könnten dann (erst Bennet, Max später) in denselben Kindergarten wechseln. Die Mädels könnten dann voraussichtlich in die Krippe im selben Haus.
Mit dem Liebsten die Sache am Abend diskutiert, da eine Entscheidung bis zum nächsten Tag (also heute) hermusste. Die Antwort des Liebsten war “und was ist dann mit dem Englischkindergarten?”. Moment hab ich da was nicht mitbekommen? Das stand doch noch gar nie nicht zur Debatte (die neue Einrichtung beinhaltet auch einen Englischkindergarten). Nun war ich total verwirrt, diese Überlegung hatte ich noch gar nicht berücksichtigt. Allerdings entschieden wir uns dann Bennet in der alten Einrichtung bei seinem besten Freund zu lassen. Als ich dann heute beim Abholen die Entscheidung bekannt geben wollte, sprach ich das Thema Englischkindergarten noch mal kurz an und erfuhr, dass so ziemlich alle aus der Gruppe dort hin wechseln. Ich bekam dann noch einen Infozettel, was mich völligst verwirrte und einen Tag Aufschub, soll heißen morgen müssen wir uns entscheiden. Entscheiden zwischen Frühförderung in Form eines Englischsprachigen Kindergartens in den er im September wechseln könnte oder er kann (voraussichtlich) mit seinem besten Freund zusammen bleiben, allerdings bei neuen Betreuern.
Nun stellt sich die Frage welche Entscheidung ist kurz- mittel und langfristig die Beste? Sind wir schlechte Eltern wenn wir die Frühförderung der Freundschaft vorziehen? Überfordere ich mein Kind wenn ich ihn nun schon eine zweite Sprache lernen lasse? Kommt da nicht das Kind sein zu kurz? Oder wird er mir mit zwölf vorhalten, dass ich ihn sprachlich zu wenig gefordert habe? Wird er am Ende keine Sprache richtig sprechen? Und macht das alles überhaupt Sinn wenn wir zuhause fast ausschließlich deutsch sprechen? Fragen über Fragen…
Wir haben bereits eine Entscheidung getroffen. Ob das nun die richtige ist, sofern es eine einzig richtige gibt ist fraglich. Allerdings werden wir auch nie erfahren, wie es anders gelaufen werde.
Aber eines wurde mir heute unmissverständlich klar. Erziehung ist weitaus mehr als nur Konsequenz. Erziehen heißt auch Entscheiden für einen Menschen den man über alles liebt und nur das Beste will und leider nicht weiß, welche Entscheidung die wirklich richtige ist!






6 August 2008 um 21:14
Tja. Ich finde Bildung geht über alles.
Ich habe vieles, vieles von meinen Eltern einfach so mitbekommen. Weil sie Entscheidungen für mich getroffen haben, als ich noch zu jung dafür war. Diese Dinge sind für mich selbstverständlich gewesen und erst langsam wurde mir klar, dass viele andere Kinder dieses Glück nicht hatten. Und das hat mir einen entscheidenden Vorsprung gegeben. Trotzdem bin ich nicht Vorstandsmitglied bei V.W geworden (zum Glück?), aber ich kann vieles in dieser ganzen Karriere- und Bildungsdiskussion gelassener angehen.
6 August 2008 um 21:18
eltern werden ist nicht schwer, eltern sein dagegen sehr. was? ich hab mal gelesen, dass so ein zweisprachiger kindergarten/schule eigentlich nur langfristig was bringt, wenn auch zuhause zumindest teilweise englisch gesprochen wird. also bennet würde demnach keine zweite sprache lernen, nur eine ungefährte ahnung davon bekommen. wobei sich aber auch die frage stellt, wie das dort abläuft. also “wie” die kinder englisch lernen dort und ob das “was g´scheits” ist. weil was bringt es bennet, wenn er “falsches” englisch lernt? ich hatte mal in der grundschule so eine art “frühenglisch” und das war im nachhinein betrachtet großer mist. hätte man auch getrost bleiben lassen können.
6 August 2008 um 21:23
will also heißen (ganz vergessen) mit zu schreiben: ich finde eure erste entscheidung, also bennet + max und mia + lola für richtig.
6 August 2008 um 21:52
Ich stand schon einmal vor einer ähnlichen Entscheidung, habe wahrscheinlich die selbe wie ihr getroffen (Bildung geht vor) und habe sie inzwischen rückgängig gemacht. Was aber vor allem (bzw. eigentlich nur) am Wesen meiner Tochter liegt. Sie hatte in der Krippe eine Freundin, die sie über alles liebte. Aber ich dachte halt – na gut, sie wird auch in der neuen Gruppe Freunde finden. Dummerweise ist meine Tochter sehr personenbezogen und läßt sich nur auf wenige Menschen wirklich ein. Woher sie das hat – keine Ahnung – ich war immer sehr kontaktfreudig und Clemens auch. Aber Caitlin ist halt anders. In der neuen Gruppe hat sie fast nur alleine gespielt. Oder sie hat sich an die Erzieherin gehängt. Die anderen Mädchen waren für sie einfach nicht interessant. Da sie den ganzen tag alleine gespielt hat, hat sie dann nachmittags bei mir alles nachholen wollen und zu Hause wirklich keine einzige Minute alleine verbringen wollen. Naja, ich hab mir das ein halbes Jahr angeschaut (immer in der Hoffnung, dass sich das gibt) und als es kein bisschen besser wurde und Caitlin auch total unglücklich war, weil sie ihre Amanda vermisst hat, habe sie dann nach nem halben Jahr wieder zurück in die Gruppe ihrer Freundin gegeben. Und diese Entscheidung nicht bereut. Caitlin geht es einfach besser damit. Und Bildung – nun, es werden nun einfach andere Sachen gefördert. Und ich selbst trage auch noch einen Anteil daran, dass mein Kind optimal gefördert wird.
ABER: ich hätte Caitlin in der anderen Gruppe gelassen, wenn Sie sich dort ein bisschen besser integriert hätte. Und ich denke, dass das wirklich einfach an ihrer Art lag. Wenn Bennet also nicht gerade so verstockt wie meine Tochter ist, dann kann man berechtigte Hoffnung haben, dass er sich auch in der neuen Gruppe einen Freund sucht. Und dann ist die Entscheidung für die Bildung die richtige!!!
LG Kathi
6 August 2008 um 21:55
PS: Ich war in keinem Englischkindergarten, aber ich spreche trotzdem fließend englisch, weil meine Eltern mir englische Bücher gekauft haben und ich dann während des Studiums ein längeres Praktikum in London gemacht habe. Es ist einfach eine Frage, was für Möglichkeiten man den Kindern gibt – weit über die KiTa hinaus. Denn das Englisch in der KiTa bringt nur langfristig was, wenn es auch nach der KiTa kontinuierlich weitergeht. Sonst wird nämlich alles vergessen…
6 August 2008 um 22:08
ich habe ebenso vieles vieles von meinen eltern einfach so mitbekommen. das hat mich völlig überfordert. ich habe zwar ein sehr gutes studium abgeschlossen und einen tollen job, aber: meine schulzeit war mit das beschissenste, was es gab. meine eltern haben es sicher und 100% gut gemeint – für mich als kind/jugendliche war es definitiv zu viel.
bildung geht m.e. auch noch später. das muss nicht jetzt schon sein:)
6 August 2008 um 23:04
Spontan würde ich sagen: im Kindergartenalter geht “Bildung” vor Freundschaften, die sich in dem Alter doch rasend schnell verändern und von einem Tag auf den nächsten passé sein können. Kinder finden schnell neue Freunde und für mich wäre das kein Grund für Kiga A, wenn sonst alles für Kiga B sprechen würde (und die Erzieherfrage finde ich nicht unerheblich, allerdings Englisch-Frühförderung auch nicht total wichtig).
(Ja, Erziehung ist so komplex. Das ist mir letztens auch mal wieder deutlich geworden und ich war am Ende meiner Überlegungen ziemlich geschafft. Dabei ist das doch erst der Anfang.)
7 August 2008 um 0:10
@ mama schwaner
also die sind in der einrichtung zu dritt, eine muttersprachlerin und zwei deutsche. es wird ausschließlich englisch gesprochen und nur deutsch wenn die kinder was nicht verstehen. aber ich sollte schreiben, die wären zu dritt. also nein sie sind zu dritt aber da bennet nicht dorthin gehen wird wären sie zu dritt. ich bin verplant. sorry…soll heißen wir bleiben wo wir sind.
@ kathi
bennet und max kennen sich seit geburt. ist einer mal krank tut der andere sich deutlich schwerer mit dem integrieren daher ist die entscheidung auch nicht leicht gefallen.
@ ami
danke
@ linnea
spontan hast du recht. bei genauerer betrachtung ist das genauso komplex wie erziehung an sich. max und bennet kennen sich seit geburt. die beiden wachsen wie geschwister auf und brauchen sich. das haben wir nun mehrfach bemerkt. daher machen wir es wie ami meint. gebildet (in dieser hinsicht) wird einfach später. jetzt darf er einfach nur kind sein
7 August 2008 um 8:42
Es wurde zwar schon alle gessagt, aber hier auch rasch meine Meinung.
Ich würde “Englisch lernen” erstmal hinten anstellen, denn damit fangen sie noch früh genug an. Ich denke auch nicht, dass man sich da berechtige Vorwürfe machen muß, dass man sein Kind nicht ausreichend gefördert hätte und ich denke es macht so früh wirklich erst Sinn, wenn auch zu Hause wenigstens etwas Englisch geredet wird (so wie Frau Schwaner es schon geschrieben hat).
Ich hätte mich auch für die Freundschaft entschieden, da es mir ja auch das Herz gebrochen hat als Charlotte Lena “verloren” hat. Auch wenn sie noch sehr klein sind hängen sie sehr aneinander, dass sehe ich ja jedesmal wenn sie sich wiedersehen.
7 August 2008 um 9:03
[...] 7 August 2008 in krippe, krümel, nurmalso by June Bei uns Freundschaft! [...]
7 August 2008 um 9:06
Oje. Ami hat da mit ihrer Erzählung jetzt auch wieder vieles wach gerufen. Ja, auch für mich war das nicht alles so ein Spaß. Ziemlicher Druck und manchmal wollte ich einfach nur Kind sein und auf den Kindergeburtstag mit den anderen gehen, anstatt in irgend so eine Förderungsstunde.
Schwer, sehr schwer das Ganze. Vielleicht sollte man Kinder in dem Alter wirklich einfach nur Kinder sein lassen…
7 August 2008 um 12:15
Oh ja, Erziehung ist mehr als konsequent zu sein…und eine Entscheidung muss des öfteren getroffen werden.
Für und Wieder abzuwägen ist eine große Aufgabe.
Ich finde den 2-sprachigen Kindergarten toll und bin mir sicher, dass die Kinder die fremde Sprache so am einfachsten lernen. Vieleicht werden sie das eine oder andere Wort in ihrer Muttersprache am Anfang ersetzen, aber schon schnell wechseln sie in den Sprachen als wäre das NIX…..ich finds toll!
Ich hoffe ihr findet eure richtige Entscheidung und jammert niemals der anderen hinterher…
♥ -lich Bonafilia
7 August 2008 um 23:42
ich komm da grade nicht ganz mit: ihr sprecht zu hause hauptsächlich deutsch? öööh… wenn ich das richtig verstehe seid ihr eltern oder einer von euch aus einem englischsprachigen land, richtig?
also, wenn ja, warum habt ihr den kiddies die englische sprache nicht gleich mit beigebracht bzw. lasst ihr sie nicht zweisprachig von zu hause aus aufwachsen?
um auf die eigentliche frage zurück zu kommen: ich sehe das ähnlich wie “maria”: einfach mal die kinder kinder sein lassen. die wichtigsten dinge kann man ihnen selber beibringen. und englisch lernen sie spätestens in der schule
ich denke auch, wenn man zu hause mehr englisch redet lernt ein kind mit, vorausgesetzt, es hat auch interesse daran.
im moment würde ich sagen, wählt die krippe aus, wo sie mit ihren freunden zusammenbleiben können.
8 August 2008 um 10:01
@ wortman
nöööö wir sind deutsch, alle beide. sprechen aber beide mehr oder weniger fliessend. ich inzwischen wieder weniger, da ich es so lange nicht gesprochen habe. aber wir werden vermutlich doch mit ihm zuhause englisch sprechen…werden uns englische bücher zulegen und dvds und das langsam in “seinem tempo” angehen!
dann darf er kind sein und bleiben und das zusammen mit dem besten freund aller freunde
8 August 2008 um 11:02
axo, da hast mich mit dem “hauptsächlich deutsch” schön irritiert
ich denke, zusammen mit seinem allerbesten freund ist auch die vernünftigste grundlage zum durchstarten in alle möglichen richtungen
10 August 2008 um 9:12
[...] zum Thema: Ami de la Nuit • Sturm im Wasserglas • Maultaschen oder Ravioli Tags: Frühförderung, Kinder, Kindergarten, Lernen [...]
19 August 2008 um 9:52
[...] mein kleines Sensibelchen, welches gar nicht so klein ist sondern ein großer Junge aber diese Entscheidungsfindung für einen kleinen Menschen ist einfach ne echt harte [...]