Seelischer Supergau

18 Juli 2008

Ich stehe kurz vor dem seelischen Supergau.
Mein Leben hält derzeit so viele Bau- und Stolperstellen parat, dass ich keine Zeit zum durchatmen habe. Es ist eine schwierige Zeit, in der auch die Wirksamkeit meines Mantras nachzulassen scheint. Es ist eine Zeit, die mich an meine physischen und psychischen Grenzen stoßen lässt, die mich aufzufressen scheint und mir jetzt, wo ich es besonders gut brauchen kann, meine mütterliche Inkompetenz vor Augen führt.

Mäuseken macht sich prima, die Schreierei nimmt mit jedem Tag ab und potenziert sich dafür auf den großen Bruder. Bennet schreit brüllt hysterisch, tritt, schlägt, spuckt…beißen würde noch fehlen. Sein Aggressionspotenzial scheint grenzen-, seine Schreiarien endlos. Ich weiß, es ist wieder einmal eine Phase ein Austesten der Grenzen, ein neues Grenzenstecken und ein weiterer Schritt in seiner Entwicklung. Allerdings frage ich mich, wie ich als Mutter richtig reagieren soll!? Ich bin keine geduldige, verständnisvolle, immer die Ruhe bewahrende Muttermaschine. Ich bin müde, verdammt müde, gereizt, gestresst und genervt. Ich reagiere in vielen vielen unglaublich vielen Situationen pädagogisch falsch. Ich bin ein Mensch, ein müder sehr müder Mensch. Ich habe meine Aggressionen Emotionen derzeit nicht gut im Griff. Ich schreie obwohl ich es nicht will, ich reagiere über wo eine Überreaktion nicht angebracht ist, mir fehlt der Blick fürs Wesentliche und der schnelle Reflex - seht ihr das große „L“ auf meiner Stirn prangen. Es leuchtet in den grellsten Farben.

13 Antworten zu “Seelischer Supergau”

  1. Kassiopeia Sagt:

    Oje! Auch wenn das genau in den Momenten so gar nicht möglich ist, aber nähre dich an den anderen Momenten, schreib sie dir zur Not auf! Es bringt nicht dir auch noch Vorwürfe zu machen und ich weiß, dass das hart ist! Schau nach vorn! Du machst das toll! Sieh dir dein großes kleines Baby an und genieße ihn in den Momenten, die schön sind! Fühl dich umarmt

  2. Frau Kathy Sagt:

    ganz genau diese phase hatte ich mit ida in den letzten wochen. sie war schrecklich nervig. hat mich förmlich auf die palme gebracht mit ihrem gejammer und geschreie. meine nerven lagen schnell blank und es gab ein ständiges kräftemessen zwischen ihr und mir.

    keine ahnung, warum es jetzt genau besser geworden ist. entweder weil die phase vorbei ist, oder weil ich ein bisschen mehr auf sie eingehe. ich habe gemerkt, daß ich zu oft von ihr verlange, daß sie funktionieren soll, wie ich es gerne hätte. aber mit zwei jahren kann man das einfach nicht.

    jetzt nehme ich mir oft einen moment zeit und gehe auf sie ein. ich gestehe ihr nicht immer ihr recht, aber ich gebe ihr das gefühl, daß ich verstehe was sie will, aber versuche sie diplomatisch trotzdem in meine richtung zu lenken. immer klappt es nicht, aber es ist einfach um soooo vieles besser geworden. sie versucht nicht mehr um jeden preis ihren willen durchzusetzen.

    ich drücke dir die daumen, daß dieses grenzenaustesten bald weniger wird!!

  3. June Sagt:

    @ kassio
    einfach nur danke! ich bewundere dich sehr, ganz ehrlich. du scheinst immer die ruhe weg zu haben und meisterst deine “brut” ganz hervorragend…

    @ kathy
    ich weiß es geht vorbei, aber momentan ist es soooooo anstrengend. ich muss ihn regelmässig in sein zimmer schicken, da mir seine agression so um lola rum auch zu gefährlich sind (er wollte heute von sich aus in sein zimmer zum beruhigen). wenn er mittendrin ist komm ich nicht an ihn ran, diplomatie hin oder her… vielleicht verlange ich zu viel, das kann sein…ich versuch mich ein wenig zu besinnen.

    es geht vorbei
    es geht vorbei es geht vorbei
    es geht vorbei es geht vorbei es geht vorbei

  4. amidelanuit Sagt:

    ich kenne diese aggressionen nur zu gut. mein weg: an tagen an denen cih schon merke, dass es kein guter tag wird, da nehme ich mir von anbeginn vor wachsam zu sein. gerate ich in eine situation, in der meine aggression unangenehme züge bekommt, gehe ih raus aus der situation. egal wieviel scheisselkram im moment geschieht, ich gehe. und dort denke ich kurz nach: “was ist im moment?” “was willst du?” und vorallem “was will ich nicht?” das hilft mir sehr. allerdings musst du sofort die situation verlassen, zumidnest dann, wenn kein kind in gefahr schwebt (logisch….)

    und sonst: verteil deine kinder und versuche dir luft zu machen!! ab 1.8. june stehe ich dir jederzeit zur verfügung!!!


  5. liebste june, ich weiß was du meinst. ein guter tipp: nimm dich oder bennet dann aus der situation. geh raus, schick bennet in den flur (ins zimmer kommt paul bei uns nicht mehr, denn das soll ein rückzugsort für ihn sein, und keine bestrafung. er soll also sein zimmer nciht als “bestrafung” ansehen. deshalb der flur, da ist nichts und er kann sich so nicht ablenken, sondern einfach mal zur ruhe kommen.

    und ja, du bist ein mensch. und schlafentzug lässt einen ziemlich intolerant werden. ich kenne das (leider) auch zu genüge. mach dir bitte um himmels willen nicht noch selber vorwürfe, das macht das ganz nicht besser sondern nur noch schlimmer. bennet ist momentan so, es ist sch***, aber da musst du und er durch. (man klingt das doof, wenn ich das so schreibe). paul hatte ja diese tobsuchtsanfälle auch in der nacht. wir haben ihm dann mit homöopathie geholfen (arsenicum album – wun.der.mittel!)

    ich denke ganz fest an dich und fühl dich wirklich mal ganz feste umärmelt! (sch**** drittes lebensjahr *g*)

  6. Steffi Sagt:

    ich denk an dich.
    du bist eine gute Mutter.
    du hast den besten Ehemann (habe ich gelesen), der dich unterstützt.

    (mir hilft derzeit Qi Gong wieder sehr gut. sonst wären die Wellen wohl, die Tage auch schon über meinem Kopf zusammengeschlagen)

  7. kaanu Sagt:

    Jeder von uns macht solche Situationen durch – JEDER! Leg nicht so einen hohen Maßstab an Dich selbst. Es gibt einfach Phasen, in denen man nicht Herr der Lage ist. Du machst das Klasse!!!! Und es wird besser werden – ganz sicher-. :-)

  8. June Sagt:

    @ mama schwaner
    danke. einfach nur zu wissen, dass es “normal” ist und es anderen auch so geht, macht es nicht leichter aber hilft doch ein wenig.
    ich sehe das ins zimmer gehen nicht als bestrafung, soll es auch nicht sein. denn er soll sich beruhigen können und das geht denke ich gut in seinem zimmer. denke ich zumindest.

    @ steffi
    dafür hätt ich wohl gerade nicht den nerv (qi gong) mir wäre eher nach boxen oder so ;-)

    @ kaanu
    ich weiß es wird besser. morgen oder so.
    .
    .
    .
    wenn doch bloss schon übermorgen wäre!

  9. stadtfrau Sagt:

    nein, in der situation selber kannst du nicht zu ihm durchdringen – vergiss das, das kostet nur nerven und kraft. ignorier den trotzanfall wenns geht (ich denke, jede aufmerksamkeit zwischendrin heizt das ganze nur mehr an, zumindest hat fabian dann immer erst recht zu brüllen begonnen, das einzige was ich in abständen zu ihm sagte war: ich möchte, dass du dich beruhigst), wenns zu schlimm ist räumliche trennung. wenn er sich beruhigt hat kannst du mit ihm darüber reden, was gerade falsch gelaufen ist. (das ist natürlich kein patentrezept.)

    du wirst einen weg finden, wie ihr beide durch diese phase kommt, aber verlier dich nicht in unnötigen machtkämpfen und spar dir deine energie!

    bennet wächst in einer harmonischen familie mit liebevollen eltern auf – das ist doch schon mal was! :)

  10. stadtfrau Sagt:

    zum thema “ins kinderzimmer schicken”: das habe ich auch eher ungern, aber in anstrengenden phasen doch immer wieder als letzte bremse gemacht. aber man muss bedenken: ich habe nur EIN kind. und das konnte ich aushalten, wenn es schreiend neben mir am küchenboden lag und seine wut rausließ. wen da noch ein baby dabei ist, ist das eine ganz andere situation.
    “ich möchte, dass du dich in deinem zimmer beruhigst und dann können wir darüber reden” finde ich völlig okay.

    du sprichst an, dass er tritt, schlägt und spuckt – wieso solltest du dafür verständnis aufbringen? das ist doch unmögliches verhalten und dafür hat man eben null verständnis und reagiert dementsprechend, das passt schon.

    vielleicht noch ein tipp: eltern sollten dem kind helfen, ihre gefühle verbal auszudrücken. der erste schritt dahin ist, dass die eltern die vermeintlichen gefühle des kindes verbal spiegeln, also indem man sagt: du warst jetzt furchtbar aufgeregt, das hat dich sehr wütend gemacht, ich habe gemerkt, dass du richtig zornig warst, du hattest eine menge wut im bauch… und umgekehrt eben auch selber ihre gefühle so ausdrücken. langfristig gesehen ist das sicher nicht verkehrt.

    mein standardsatz in der wut war übrigens immer: “fabian, langsam werde ich so richtig grantig!” (mit gefletschten zähnen quasi).

  11. June Sagt:

    @ stadtfrau
    leider kommen wir um die räumliche trennung nicht rum, da mir das mit baby und fliegendem spielzeug einfach zu gefährlich ist die (sowie die nervliche belastung für mich und lola) – wie du schon geschrieben hast. aber ich werde den machtkämpfen versuchen aus dem weg zu gehen…die betonung liegt nicht auf versuchen, sondern auf “aus dem weg gehen” ;-)
    und spucken, beißen, treten usw. geht einfach nicht, egal wie zornig egal wie frustriert, egal wie alt. dem muss ich einen riegel vorschieben und sei es eben durch die räumliche trennung. er muss lernen damit umzugehen ebenso wie ich. da er mich an sich nicht ranlässt und mir in solchen momenten auch die nötige ruhe fehlt, muss ich ihm (und mir) durch distanz helfen.
    aber das ist ein guter tipp…verbal spiegeln…werd ich beim nächsten mal machen!

  12. chrizzo Sagt:

    Oh June, wir stecken auch mitten im dritten Lebensjahr und mir kommen Deine Beschreibungen sehr bekannt vor… Lieblingsprovokation des kleinen Mannes ist Dinge vom Küchen- oder Restauranttisch zu reißen (wir waren grad in Deutschland auf Besuchstour und da ist das genau das, was man gut gebrauchen kann, so “Spot on” alle Augen auf Dich und Kind…). Da hlft auch nur Schadensbegrenzung durch Distanz zum Tatort und ich versuche seither auch ihm aufzuzeigen, was er noch “ungefährliches” für sich und andere mit seiner Wut machen kann, also schlagen auf Kissen oder ähnliches.

  13. mail2katja Sagt:

    Auch wenn jedes Kind anders ist, ich weiß, wie du dich fühlst. Und fühle mit dir, schicke eine Portion Kraft. Vielleicht hilft’s sich zu sagen, dass es anderen Müttern genauso geht und man eben KEIN L auf der Stirn hat, sondern völlig normal ist.


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