hat mich heute morgen diese Nachricht.
Und leider befürchte ich, dass sowas häufiger vorkommt als man glauben mag.
So krank kann doch ein einzelner Mensch gar nicht sein. Und so blind kann doch kein ganzes Dorf durch die Gegend laufen.
Aber vielleicht ist es genau die Ignoranz und dieses “ich kehre nur vor meiner eigenen Haustüre”, warum solche Dinge erst nach so vielen Jahren, durch mehr oder weniger Zufälle aufgedeckt werden. Vielleicht nimmt unsere Gesellschaft das “bewusst wegschauen” inzwischen mit der Muttermilch auf, weil man sich derartiges Grauen nicht vorstellen kann und will. Vielleicht wird es Zeit in dieser Hinsicht mehr primäre Prävention zu tätigen und auch die “Wegschauer”, die “Nicht-helfer” härter zu bestrafen.






28 April 2008 um 9:54
Tja. Die andere Seite: Ich beobachte Nachbarskinder, die bei schönstem Wetter nicht in den eigenen Garten oder mit den anderen Kindern auf den gemeinsamen Spielplatz gehen (dürfen?). Abends, wenn alle anderen Kinder bereits zu Hause sind, gehen diese Kinder hinaus. Das finde ich persönlich sehr schräg! Ich weiß, dass das ältere Kind in den Kindergarten geht und dort auch Freundschaften geschlossen hat – trotzdem find ich es komisch zwei Kleinkinder bei schönstem Wetter erst rauszulassen, wenn alle anderen schon weg sind. Und was soll ich jetzt tun? Die Behörden anrufen? Ist das nicht übertrieben?
Ich find das wiedermal sehr schwierig.
28 April 2008 um 10:06
es ist immer schwierig und nie einfach! wenn es das wäre, würde sowas nicht passieren…
aber ich würde es auf eine konfrontation mit den eltern ankommen lassen. was hast du zu verlieren? das sie dich schräg ankucken? na und?
ich muss immer an das buch lauf, jane, lauf denken…
ich kenne leider mehr als einen missbrauchsfall in unmittelbarer umgebung, traurigerweise waren die täter immer enge familienangehörige und ich kann mein kind/meine kinder nur schützen indem ich “komische” dinge hinterfrage, sei es nun bei mir zuhause oder eben kinder die nur nachts raus zum spielen dürfen…
vampire? werwölfe?
ne mal im ernst…was haben wir denn zu verlieren? nen guten ruf…öhm naja, auf den sch* ich!
28 April 2008 um 10:35
das schlimmste an dem fall finde ich, dass die eigene mutter angibt nichts bemerkt zu haben und der version des vater “die ist in einer sekte!” glauben geschenkt hat. darüberhinaus finde ich es auch schlimm, dass sich ganz amstetten das maul über die angebliche rabenmutter elisabeth f. zerrissen hat, weil der vater behauptete, die tochter hätte die geborenen kinder einfach so vor der haustür abgestellt mit dem verweis, die großeltern mögen sich drum kümmern…..
28 April 2008 um 10:50
@ ami
eben, da muss es doch bei irgend wem geklingelt haben. das versteh ich einfach nicht, ist mir echt ein rätsel.
ich meine, vielleicht sind wir wirklich naiv und blind und ich will den leuten keinen vorwurf machen, aber nach natascha kampusch sollte man doch meinen, dass da mal irgendwie die leute hellhörig(er) geworden sind…
28 April 2008 um 11:10
[...] April 2008 in irrsinn by June Mit Sicherheit wird dieser Fall heute in mehreren Blogs für Furore sorgen und irgendwie bringt mich das auf ein ganz anderes Thema [...]
28 April 2008 um 11:32
ja, mir ist gestern richtig schlecht geworden.
aber: wer denkt denn sowas? ich meine, das ist so krank, auch wenn manche vielleicht ahnten, dass da was im busch ist und die familie nicht die ganze wahrheit erzählt, auf sowas kommt keiner! und diese sektengeschichte war ortsbekannt, die legende wurde perfekt aufrecht erhalten und weitererzählt, wer denkt sich denn was dabei? ich kenne einige fälle am land, wo erwachsene kinder seit jahren verschwunden sind und man munkelt, sie sandeln halt in wien herum. das ist ja nicht ungewöhnlich, dass man den kontakt zu seinen eltern abbricht, warum auch immer. als außenstehender hast du da keinen einblick, es wird dann halt viel getratscht.
ich denke, es gibt in dem fall viel aufzuklären, aber ich gehe davon aus, dass zumindest außerhalb der familie DAS keiner geahnt hat.
28 April 2008 um 11:38
@ stadtfrau
ich will auch gar nicht, dass das nach veurteilung klingt oder so…aber ich frage mich wirklich wie sowas vorallem auch sooooo lange passieren kann ohne das irgendjemand mal nachfragt, was auffällt, hinterfragt.
vielleicht ist es wirklich so wie du schreibst…das ein perfektes netz aus lügen und intrigen gesponnen wurde, aber es schokiert trotzdem so heftig und lässt einen mit einem gewaltigen knall auf den boden aufschlagen…
es ist wirklich ein schwieriges thema, ich will ja auch nicht in einem umfeld von misstrauischen nachbarn/mitmenschen leben, aber irgendwie muss nun endlich mal was passieren…
28 April 2008 um 12:38
man darf gar nicht daran denken, wie hoch die dunkelziffer ähnlicher fälle wohl sein mag…
ich verstehe schon, was du meinst, dass man einschreiten soll wenn einem was spanisch vorkommt, und auch wenn man sich dabei lächerlich macht. aber es ist auch deswegen schwierig, weil ja schon jeder für sich selber andere grenzen hat, was der eine noch normal findet ist für den anderen schon grenzwertig. aber ich denke, gerade durch solche fälle, über die breit in den medien berichtet wird, bekommen die menschen langsam ein bewusstsein dafür, dass man nicht wegschauen darf. früher wurde sicher vieles unter den teppich gekehrt.
einerseits finde ich anonymität gut, es geht keinen was an was ich den ganzen tag so treibe und was in meiner familie los ist. nach dem kampusch-fall hat jemand in einem artikel diese moderne anonymität beklagt, dass man selbst in kleinen orten kaum mehr mitkriegt, was der nachbar treibt und man sich nicht kümmert. aber ich bin in einem kleinen dorf aufgewachsen und kenne die andere seite: da lebt man quasi öffentlich und klar interessieren sich die leute für ihre nachbarn – aus reiner neuGIERde – das heißt nicht, dass sie auch hilfe holen würden.
ich glaube, dass es mir leichter fällt, einzuschreiten wenn ich die betreffenden personen nicht persönlich kenne.
nichts ist unmöglich: weder, dass in diesem fall wirklich keiner was geahnt hat, noch dass die ehefrau nicht doch mehr wusste als ihr lieb war und sie aus welchem grund auch immer die augen verschloss.
ist jetzt doch noch ein aufsatz geworden
28 April 2008 um 13:08
Also ich denke, im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen “aber da hätte doch jemand was merken müssen” Es gibt viele eigenartige Familien, deshalb sind sie noch lange keine Verbrecher. Daß der eigene Nachbar so grausam ist, die eigene Tochter einzusperren, sie zu missbrauchen und mit ihr Kinder zu haben, welche er teilweise einsperrt, teilweise im Haus leben läßt, würde sich niemals jemand denken. Niemals. Selbst wenn es jemandem komisch vorgekommen wäre, es wurde alles überprüft, als ein Kind adoptiert wurde – soweit ich weiß, waren die anderen beiden offiziel Pflegekinder…
Es ist abartig, aber ich bin sicher, es gibt genug solcher Fälle. Leider!
28 April 2008 um 13:57
@ stadtfrau
jup, das andere mein verhalten vielleicht grenzwertig finden und umgekehrt ist bestimmt auch ein problem, aber ich rede hier ja nicht von mülltrennung oder was mein kind zu essen bekommt…
ich finde anonymität auch wichtig, aber wenn dann sowas raus kommt, dann fragt man sich schon…und hallo? das ganze ist in einem mehrfamilienhaus passiert, da wurde ein stahltüre im keller eingebaut, mit zahlenschloss. das hat er wohl kaum selber gemacht. also wenn ich mitbekomme, dass mein nachbar sich eine stahltüre in den keller einbaut, dann käme mir das doch spanisch vor…als anwohner und einbauer…oder?
@ nadine
hier geht es nicht um den nachbar sondern um vater und tochter. da kann ich mir nicht erklären, dass seine frau oder angehörige so nicht mal irgendwie was geahnt haben.
wie schon gesagt, ich verurteile niemanden, das ganze kann einem nur leid tun, aber es wirft einfach die frage auf, ist unsere gesellschaft so blind bzw. so leicht zu blenden?
28 April 2008 um 15:34
Ja. Also das mit der Tür finde ich jetzt ein sehr gutes Argument!
Was mich aber derzeit noch mehr aufregt ist die Tatsache, dass das in allen Medien wieder mal breitgetreten wird. Es gibt keine Radio- oder TV-Sendung, die das Thema nicht gerade platt walzt, neue “Fakten” aufdeckt (=Mutmaßungen anstellt) und “Experten” zu Wort kommen lässt. Und dabei konnte man in Österreich am Fall N. Kampusch sehr genau sehen, wie unangenehm und schrecklich das für das Opfer selbst ist. Ständig gefragt werden, ständig darüber reden oder davon lesen/hören müssen.
Also wieso lernen die nix daraus? Und lassen die Sache erstmal ruhen…
Ich meine jetzt auch nicht die Diskussion einzelner Leute – wie uns – sondern das große mediale Tam-Tam. Das find ich geschmacklos..
28 April 2008 um 22:41
Es fällt mir schwer, sehr schwer, der Frau des Mannes Glauben zu schenken, dass sie nichts wusste. Zumindest Verdacht geschöpft haben muss sie doch mal oder auch mehrmals, dass irgendetwas komisch ist. Es kann doch nicht sein, dass man jahrelang als Familie in einem Haus wohnt, wo der Keller immer “tabu” ist. Da frag und bohre ich doch nach, und wenn ich dann immer noch nicht in den Keller darf, spioniere ich halt mal heimlich, auch wenn es die eigene Familie betrifft. Und dass er nachts immer das Verlies versorgt hat, muss ihr doch auch mal komisch vorgekommen sein. Ich meine, wenn sie mitkriegt, und das muss doch so gewesen sein, dass er nachts oder generell öfter in den Keller geht und vielleicht auch mal länger unten bleibt, dann frag ich doch mal nach, was er da unten macht. Klar kann er es oft gemacht haben, wenn sie nicht da war oder tief geschlafen hat, aber in so vielen Jahren MUSS sie das doch öfter mal mitgekriegt haben. Und wenn er sagt, er bastelt oder schraubt oder was weiß ich, dann möchte ich das doch auch mal sehen. Kann doch nicht sein, dass die jahrelang nicht im Keller war, oder galt das Tabu nur für die Kinder? Und generell muss sie dann schon sehr ignorant gewesen sein, wenn ihr nicht einmal ein Verhalten komisch vorgekommen wäre.
Dass das Dorf nichts wusste, ist zwar schwer zu begreifen, aber wohl dennoch möglich, denke ich, so klein ist der Ort ja jetzt auch wieder nicht. Dass Kinder bei den Großeltern aufwachsen, kommt ja schon ab und an vor, und da die Kinder im Haus ja offiziell Pflege- bzw. Adoptivkinder waren (sprich von den Behörden abgesegnet), macht man sich da vielleicht auch nicht so schnell Gedanken, zumal die Familie ja wohl von einer Sozialarbeiterin betreut wurde.
Aber superkrass finde ich, dass diese Briefe und die angebliche Sektenzugehörigkeit der Tochter und die plötzlich abgelegten Kinder bei Polizei und Behörden NIE auffällig oder verdächtig genug waren, um da mal richtig nachzuprüfen. DAS gibt es doch nicht!!! Wollten denn die Behörden nicht mal versuchen, die Tochter aus der Sekte zurück zu den Kindern zu kriegen?? Und wollten die nicht mal wissen, was das genau für eine Sekte ist und wo?? Und wollten die nicht einmal versuchen, die Tochter zum Gespräch zu bewegen?? DAS kann nicht sein, da haben ein paar Leute aber so richtig geschlafen oder waren zu faul oder auch zu ignorant oder es ist ganz traurig im Behördensumpf untergegangen, weil keiner wusste, wer so wirklich wofür zuständig ist, wundern würd’s mich ja manchmal nicht, aber dass da nicht einmal wegen der Sekte nachgeforscht wurde, geht nicht in meinen Kopf. Da hätte auf jeden Fall mal jemand Verdacht gegen den Vater schöpfen müssen, wenn er urplötzlich Briefe und Kinder präsentiert (die komischerweise immer nur er plötzlich gefunden hat, nie die Mutter). Und wieso wurden keine DNA-Proben der Kinder genommen, um den Vater zu ermitteln, wenn die Tochter angeblich in einer Sekte ist?? Hätte ja auch sein können, dass die Tochter in der Sekte vergewaltigt wird. Hätten sie das einfach so in Kauf genommen, weil sie nicht nachgeforscht haben, oder wie?? Die Fragen hören nicht auf, ich könnte noch ewig weiterschreiben und werde gerade so wütend über so viel Ignoranz bei den Behörden!!
Und dem Bezirkshauptmann schenke ich auch keinen Glauben, dass Ehefrau, Tochter und Kinder angeblich trotz der Situation “glücklich und zufrieden” sind (zumal das Zitat im Spiegel der Wahrheit entspricht). Glücklich sind die doch ganz bestimmt nicht. Der wollte doch nur wenigstens irgendetwas in dem ganzen Drama schönreden.
So, jetzt hör ich auf, sonst finde ich kein Ende mehr …
28 April 2008 um 23:34
SOWAs könnte ich mir selbst mit meiner ausgeprägten Fantasie nicht vorstellen!
Aber noch kurz zu den Medien und all denen,die die Berichterstattung geschmacklos finden: ich denke, man sollte sich vielleicht davor hüten, sich über TRatsch und Klatsch aufzuregen, wenn man selbst in Blogs an solchen Diskussionen rege teilnimmt. Und ohne Presse würde man schlicht nichts erfahren und wenn es was neues gibt, hört doch auch jeder hin. Ich hüte mich davor in solchen DIngen päpstlicher als der Papst zu sein….Ein solches Thema ist prädestiniert für Klatsch und Tratsch, Mutmaßungen und ähnliches, weil es so unvorstellbar ist, dass man sich dadurch einfach die Sachlage erklären, näher bringen oder irgendwie verständlich machen will. Ich bin immer dafür, dass über solche Themen gesprochen wird, auch wenns schwer fällt. Was sollen die Menschen denn sonst machen, v.a. in dem kleinen Ort wo dieses Verbrechen geschehen ist, als darüber zu sprechen!? Schweigen und weitermachen wie bisher? Ich glaub, das geht gar nicht…
29 April 2008 um 5:20
Ups, das “zumal” in der Klammer am Ende sollte eigentlich ein “falls” werden …