Eben habe ich bei ami diesen Beitrag gelesen und nun schreibe ich doch, was mir seit Tagen auf der Seele brennt.
Gestern waren wir mit unserer liebsten Freundin Katja frühstücken. Sie ist Restaurantchefin und erzählte uns, dass sie neulich im Restaurant zum Tisch eines Paares gerufen wurde, die sich beschwerten, dass am Nebentisch eine Familie mit Kinder sass. Katja sollte die Familie bitten, das Restaurant zu verlassen, da sie sich gestört fühlten. Das Kind schrie nicht sondern lachte fröhlich in normaler Kinderlautstärke vor sich hin. Die Leute waren nicht mal so höflich, das Gespräch in einem normalen Rahmen zu führen, so dass die Familie am Nebentisch alles haarklein mithören musste.
Wie reagiert man da als Eltern? Wie kann man in so einer kinderunfreundlichen Gesellschaft noch Kinder bekommen?
Kürzlich hörte ich im Radio, dass ein Wirt verbieten wollte, dass Kinder in seinem Lokal speisen. Vor Gericht kam er damit nicht durch, das wäre diskriminierend! Zu Recht, demnächst lässt man Rentner nicht mehr in Restaurants, schließlich essen die langsam, sind oft schwerhörig und reden daher zu laut. Hallo?
Und heute waren wir essen, mit Kind, dass nicht geschlafen hatte und ein bisschen quakig war. Er hat sich echt gut gehalten, aber wir waren total angespannt. Ich konnte förmlich in den Gesichtern der anderen lesen, wie unverschämt wir doch seien, ein Kind mit in ein Restaurant zu nehmen. Und als wir gingen meinte die Frau am Nachbartisch “er war doch aber ganz brav”. “Aber ganz brav”, was soll das denn heißen?
Armes Deutschland, echt!






30 Dezember 2007 um 23:23
auja, essen rein schaufeln und dann schnell wieder gehen… das kennen wir
30 Dezember 2007 um 23:24
vielleicht einfach ein dickes fell anschaffen und die anderen leute reden/gucken lassen
30 Dezember 2007 um 23:27
ach:( das erinnert mich an einen besuch bei einem griechen in hamburg, wo ich hinterher erfuhr, dass auch alle froh waren, als wir weg waren mit unseren 2 kleinen.
wie hat deine freundin auf die bitte reagiert?
31 Dezember 2007 um 12:59
Ich predige schon seit Jahren, dass die Kinderlosigkeit der Deutschen wenig mit Transferleistungen zu tun hat, sondern mit der abgef***ten Einstellung zu Kindern in diesem Land. Leider hat mir Frau von und zu nicht zuhören wollen. Schließlich kommt erst das Ich, dann das Ich, gefolgt vom Ich und dem Ich. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass dann erst Ich dran bin? Kinder! Pöh! Wie anachronistisch…
31 Dezember 2007 um 15:25
Was soll ich sagen? Sogar mein Vater (also selbst 2-facher Opa) verbietet Kinder in seinem eigenen Lokal (eigene Verwandte/Kinder/Enkel ausgenommen)?! Ähm. Mehr als ihn offen darauf hinweisen, dass das totale Sch*** ist, kann ich auch nicht. Er hat wohl schlechte Erfahrungen gemacht, mit Kindern die die Küchenkräuter im Garten und die Dekoration im Restaurant demolieren. Dennoch! Null Verständnis auf meiner Seite.
Ins Lokal geh ich mit den Kindern nur, wenn ich vom Besitzer selbst die Zusage habe, dass das OK ist – ich die Leute also gut kenne und sie mich. Dann kann ich auch gelassen und selbstsicher dort sitzen, egal was andere sagen. Ansonsten: Geh ich einfach nicht dort hin. Bringe mein Geld in Zukunft aber auch woanders hin.
8 Januar 2008 um 17:16
Zuerst mal ein gesundes neues Jahr und alles Liebe für 2008.
Zum Thema merke ich mal folgendes an: Selbst wenn ihr mich vermutlich alle gleich steinigt, ich kann die Leute ein bisschen verstehen. Immerhin ist auch meine kinderlose Zeit noch nicht ewig her und ich versuche mich/uns auch ab und an ein bisschen von außen zu betrachten. Unsere Strategie in Sachen Restaurant lautet: Wir gehen nicht mit Kind in Restaurants, die so teuer sind, dass in meinen Augen die Menschen dort auch einen Anspruch auf ein genußvolles ungestörtes Essen haben. Bei Lokalitäten zur Nahrungsaufnahme schauen wir wie’s Kindelein so drauf ist und versuchen, sie zu annehmbaren Verhalten zu bewegen. Das heißt dann auch für uns, wir sitzen nicht ewig – kann man ja von so kleinen Kindern noch nicht verlangen – und wenn Madame Lieschen fertig ist mit Essen, geht immer mal jemand mit ihr auf Erkundungstour. Und wenn sie einen schlechten Tag hat und sich schreiend am Boden wälzt oder im Hochstuhl hängt, dann gehen wir meistens rasch. Weil ich die Direktive verfolge: Wenn ich/wir Rücksicht nehmen auf andere, kann ich auch von anderen erwarten, dass sie ein bisschen Rücksicht nehmen auf mein Kind. Damit sind wir bisher ganz gut gefahren.
Und mal ehrlich: Ich bin zwar selbst Mutter, aber Kinder die jedem Restaurantbesitzer den Angstschweiß auf die Stirn treiben und dann von den zuständigen Eltern auch noch mit “Kinder sind halt so” kommentiert werden, gehen mir auch ganz mächtig gegen den Strich.
So. Nun haut mich. Oder kann das am Ende jemand nachvollziehen?
PS: June, die Jeans kommt bald. Ich hab schon ein ganz schlechtes Gewissen … *schäm*